Wie lebt man ressourcenschonend?

Wie lebt man ressourcenschonend?

Kleine Schritte und große Sprünge für mehr Nachhaltigkeit

Der Ökologische Fußabdruck drückt menschlichen Ressourcenverbrauch und Abfallproduktion in dafür notwendiger biologisch produktiver Fläche aus. Diese kann zu der zur Verfügung stehenden Biokapazität in Relation gesetzt werden: Mit einem Verbrauch von durchschnittlich 2,6 globalen Hektar pro Kopf im Jahr 2006 überschritt die Menschheit das natürliche Angebot (1,8 globale Hektar/Kopf) beträchtlich.

Wir verbrauchen mehr Ressourcen und produzieren mehr Abfälle, als unser Planet regenerieren kann. Diese Überbelastung bleibt nicht ohne Folgen: Arten sterben aus, Urwälder werden gerodet und das Klima befindet sich im Wandel. Der aus den Fugen geratene Ökologische Fußabdruck muss deshalb dringend wieder auf das verträgliche Maß reduziert werden.
 

Strategien für Nachhaltigkeit – Konsistenz, Effizienz, Suffizienz

Doch wie können die Industrieländer ihren übergroßen Umweltverbrauch auf das verträgliche Maß senken und die Entwicklungsländer ihren wachsenden Verbrauch rechtzeitig abbremsen? Allgemein stehen für eine Reduzierung des Ökologischen Fußabdrucks drei probate Strategien zur Verfügung: Konsistenz, Effizienz und Suffizienz.

Unter Konsistenz versteht man eine möglichst naturverträgliche Produktionsweise. Technologien und Arbeitstechniken werden umweltverträglich gestaltet, Schadstoffe vermieden und Abfallprodukte weiterverwertet. Beispiele wären der Umstieg auf erneuerbare Energien, die Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene und biologischer Landbau.

Effizienz hingegen setzt auf den geringeren Ressourcenverbrauch einer Ware oder Dienstleistung. Eine effizientere Nutzung kommt vor allem durch technische Verbesserungen und Abfallvermeidung zustande – man denke an Energiesparlampen, Drei-Liter-Autos, sparsame Geräte und recyclebare Produkte.

Konsistenz und Effizienz sind schön und gut – ganz ohne Verzicht geht es jedoch nicht: Suffizienz fragt deshalb nach dem richtigen Maß. Ein angemessener Verbrauch schließt überflüssigen Konsum und Verschwendung aus. Getreu dem Motto „Qualität statt Quantität“ ist damit nicht automatisch eine Einbuße der Lebensqualität verbunden. Weniger (Ressourcenverbrauch) ist oft mehr (Gesundheit, Wert). Erdbeeren im Winter sind dagegen ebenso überflüssig wie ägyptische Bohnen oder ein Jeep im Stadtverkehr.

Jede dieser Strategien kann für sich viel bewirken – eine ausreichende Wirkung entfalten sie allerdings nur, wenn man sie miteinander kombiniert. Dies ist im Alltag leicht möglich: Beispielsweise indem Du zu Ökostrom (Konsistenz) wechselst, Glüh- durch Energiesparlampen (Effizienz) ersetzt und Licht nicht unnötig brennen lässt (Suffizienz).
 

Fußabdruck verkleinern für Jedermann

Ein Staat (ebenso wie Länderregierungen und Kommunen) kann im eigenen Land wichtige Weichen stellen: Forschungsgelder für regenerative Energien machen Sinn, Subventionen für Kerosin sind dagegen kontraproduktiv. Ein Tempolimit auf Autobahnen würde neben einem geringeren Benzinverbrauch zu weniger Verkehrstoten und Staus führen.

Der Staat kann aber auch Impulse für eine Veränderung des Konsumverhaltens geben, beispielsweise durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und radfahrerfreundliche Städte. Nicht zuletzt kann er eine Vorbildfunktion einnehmen und seinen eigenen Beitrag leisten: Viele öffentliche Gebäude werden schon jetzt mit Photovoltaikanlagen bestückt und nachgedämmt. Und Nachhaltigkeit beginnt bei den Jüngsten – ökologisches Denken und Handeln muss deshalb verstärkt in Lehrpläne aufgenommen werden.

Doch was ist der Staat anderes als die Summe seiner Bürger? In erster Linie sind wir alle gefragt. Durch unser Konsumverhalten können wir nicht nur den privaten Ökologischen Fußabdruck verkleinern, sondern auch Einfluss auf Politik und Wirtschaft nehmen. Und ein Wandel auf allen Ebenen ist dringend notwendig, denn Deutschland besitzt einen Ökologischen Fußabdruck von 4,0 globalen Hektar pro Einwohner – und liegt somit deutlich über dem weltweiten Durchschnitt (2,6 gha) sowie der globalen (1,8 gha) und der nationalen Biokapazität (1,9 gha). Prozentual setzt sich unser Fußabdruck aus folgenden Teilen zusammen: Ernährung: 35 Prozent, Wohnen: 25 Prozent, Mobilität: 22 Prozent und Konsum: 18 Prozent.1

In jedem dieser Bereiche kannst Du tätig werden. Und jeder noch so kleine Einsatz macht sich rechnerisch bemerkbar: Indem man den eigenen Umweltverbrauch reduziert, leistet man einen Beitrag zur Senkung des nationalen Fußabdrucks. Wird der gesenkt, wirkt sich das auf den globalen Fußabdruck aus – womit man dem Ziel einer nachhaltigen Zukunft einen Schritt näher kommt.
 

Ökologischer Fußabdruck – Ernährung und Wohnen

Der Löwenanteil lässt sich bei der Ernährung einsparen: Herstellung, Verarbeitung und Transport von Lebensmitteln benötigen viel Fläche und Energie. Ganz allgemein kannst Du deshalb auf biologischen Anbau, kurze Transportwege, fairen Handel und saisonale Verfügbarkeit achten.

Weitere Tipps: Verzichte weitestgehend auf Tiefkühlkost und konsumiere weniger Fleisch und Milchprodukte – tierische Produkte machen etwa 90 Prozent des Ökologischen Fußabdrucks im Ernährungsbereich aus! Wenn Du nur zweimal die Woche auf Fleisch verzichtest, kannst Du Deinen Fußabdruck um ganze 1.600 m² senken. Süßwasserfische sind generell unbedenklicher als die häufig vom Aussterben bedrohten Meeresarten. Mehrwegflaschen und recycelbare Verpackungen helfen ebenfalls den Ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

In den Bereich des Wohnens spielen neben Rohstoff- und Flächenverbrauch für Wohnhäuser und Infrastruktur vor allem Heizenergie und Elektrizität hinein. Etwa 30 Prozent der Energie im Haushalt wird durch Heizung und Warmwasser verbraucht. Allein durch das Absenken der Raumtemperatur um 1 Grad kannst Du bereits 5-10 Prozent Heizenergie einsparen und den Fußabdruck Deines Haushalts um 800 m² verringern.

Noch mehr bringt es, die Temperatur nachts und bei Abwesenheit stark zu senken. Stoßlüften statt langem Fensterkippen, wo möglich auf den Standby-Modus verzichten, Wasch- und Spülmaschine voll auslasten, Sonne statt Wäschetrockner nutzen und anstelle unerwünschter Werbung für die Tonne einen Aufkleber auf den Briefkasten – die Liste möglicher Maßnahmen ist lang.
 

Ökologischer Fußabdruck – Mobilität und Konsum

Im Bereich der Mobilität wirken sich Flug- und Autoverkehr am stärksten aus. Bereits beim Autokauf kannst Du auf einen niedrigen Verbrauch achten. Korrektes Schalten und der richtige Reifendruck sparen Treibstoff, Schnickschnack wie Klimaanlage und elektrische Fensterheber erhöhen ihn. Am Besten lässt man den Fuß gleich vom Pedal.

Bei Kurzstrecken kannst Du öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad, bei längeren Bus, Bahn und Fahrgemeinschaften nutzen. Auf Flugreisen sollte man möglichst verzichten: Bei gleicher Strecke ist der Ökologische Fußabdruck pro Kopf beim Flugzeug etwa zwanzigmal so groß wie bei der Bahn.

Bei Konsumgütern und Dienstleistungen schlägt vor allem der Papierverbrauch (ca. ein Drittel) zu Buche. Durch Recycling von Metall, Glas und Papier werden nicht nur Rohstoffe geschont – das Recycling einer Aluminiumdose verbraucht auch 90 Prozent weniger Energie als die Herstellung einer neuen.

Des Weiteren kannst Du beim Einkauf auf Verpackung und Langlebigkeit von Produkten, Geräte mit einem niedrigen Energieverbrauch (EU-Energielabel) und fair gehandelte Textilien aus Bio-Baumwolle achten: Baumwollanbau erfolgt unter extrem hohen Wasserverbrauch und Chemieeinsatz, die Produktion vor allem in Niedriglohnländern.
 

Broschüren zum nachhaltigen Konsum findest Du unter:

http://www.nachhaltigkeitsrat.de/uploads/media/Broschuere_Nachhaltiger_Warenkorb_Aktuell_November_2008.pdf

http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/wirtschaft_und_umwelt/Footprint_Deutschland_2008.pdf


Thomas Sedlmeyr

Dez. 2010


1     Stefan Giljum et al.: Sustainable Europe Research Institute (SERI), 2007.

Bildnachweis: © S. Hofschlaeger/ Pixelio.de

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