Der Prinzessinnengarten

Warum wir dieses Projekt lieben

Grüne Oase mitten in der Stadt!
Nachhaltigkeit zum Mitmachen!
Verbreitet die Idee des ökologischen Anbaus!
Bringt Menschen verschiedener Kulturen und Generationen zusammen!

Geh einen Schritt

Der Prinzessinnengarten – Gartengrün im Herzen Berlins

Robert über urbane Landwirtschaft und Gemeinschaftsgärten

Ein Garten mitten in der Stadt, in dem Menschen jeder Herkunft und jeden Alters zusammentreffen. Gemeinsam arbeiten, voneinander lernen und Ruhe finden. Und in dem man mit eigener Hand biologisches Gemüse und Kräuter ernten kann. Was wie eine Utopie klingt, ist mitten in Berlin Realität: Mit dem Prinzessinnengarten betreiben Robert und seine Initiative "Nomadisch Grün" ein zukunftsweisendes Modell für urbane Landwirtschaft.

Wir treffen Robert in der Markthalle in Kreuzberg. Im Winterquartier des Prinzessinnengartens grünt es bereits an allen Ecken und Enden: Hunderte Kisten und Säcke mit vorgezogenen Pflanzen warten darauf, endlich ins Freie zu kommen. Auch wir wollen etwas Frühlingssonne abbekommen und machen uns auf den Weg ins nächste Straßencafé.

Die Idee zum Gemeinschaftsgarten – es war einmal in Kuba

Roberts Weg zum Gemeinschaftsgarten führte über Kuba. In dem karibischen Inselstaat wurde die urbane Landwirtschaft zur Überlebensstrategie, als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Ölimporte ausblieben. Plötzlich fehlte den Bauern der Sprit für ihre Maschinen, Lebensmittel wurden knapp und eine Hungersnot drohte. Allerdings gab es  einen starken Zusammenhalt und Gemeinsinn: Auf jeder Brachfläche entstand ein Garten – und irgendwann versorgte sich Havanna größtenteils selbst.

Robert lebte als Student zwei Jahre auf Kuba. Er erinnert sich noch gut, wie er in Santa Clara erstmals einen dieser Gemeinschaftsgärten besuchte: "Ich kam damals als Kunde um Gemüse zu kaufen. Doch was ich kennengelernt habe war ein Ort, an dem ich mich erholen konnte." Der kleine Garten war aber auch ein sozialer Ort, an dem er mit den Menschen in Kontakt kam: "Die Menschen dort haben zusammen gearbeitet, die Kinder ihre Schularbeiten gemacht oder gespielt. Und die älteren Leute haben musiziert  oder einfach nur erzählt." Für Robert war der Garten eine Oase.

Die Geburt des Prinzessinnengartens

Zehn Jahre später wurde Robert  Vater. Damals hatte er einen Beruf, für den  er sehr viel reisen musste – und den Wunsch, dies nicht mehr tun zu müssen. Mit einem Mal war sie wieder sehr lebendig, die Erinnerung an jene Oase. Robert schrieb kurzerhand ein Konzept für einen Gemeinschaftsgarten in Berlin. Dabei war ihm von Anfang an klar, dass die Ernährungsfunktion hierzulande nicht dieselbe Rolle wie in Kuba spielen würde. Anders als die soziale Komponente. Für Robert war klar: Es gibt einen Bedarf an gemeinschaftlichen, nachbarschaftlichen Räumen. Und anders als ein Park ist ein Gemeinschaftsgarten ein Ort, an dem aktiv zusammengearbeitet wird und die Menschen zusammenwachsen.

Mit seinem Freund Marco gründete er ein soziales Unternehmen, die gemeinnützige GmbH "Nomadisch Grün". Von der Stadt mieteten sie ein Stück brachliegende Fläche. Was dann geschah, hat sie selbst überrascht: "Wir haben die Menge an öffentlichem Interesse so nicht erwartet, und was noch viel schöner ist, den Willen zu helfen und an dem Projekt teilzuhaben." So halfen schon am ersten Tag 150 Leute tatkräftig mit, das 6.000 Quadratmeter große Areal von Müll zu befreien und aufzuräumen.

Der Prinzessinnengarten – sozialer Treffpunkt mit Ökocharme

Als offener Ort zieht der Gemeinschaftsgarten ein buntes Klientel an: Die Besucher reichen vom typischen Ausgehpublikum über Familien und ältere Paare bis hin zu Jugendlichen aus der Nachbarschaft. "Wer wirklich mitmacht, das sind viele Migranten. Türken und Araber, und von diesen vor allem die älteren Frauen – die bringen das Wissen über die Gärtnerarbeit mit ein." Dieses praktische Wissen ist überaus wertvoll: Schließlich hat weder der Dokumentarfilmer Robert noch der Gastronom Marco eine Ausbildung zum Gemüsegärtner absolviert. Die zweite Gruppe sind ökologisch interessierte, junge Leute  Zwar wissen die meist auch nicht so richtig wie man gärtnert, kennen aber die ganzen Biorichtlinien. Beide Gruppen ergänzen somit ihr Wissen und lernen voneinander.

Die dritte und größte Gruppe will einfach mal das Gärtnern kennenlernen. Darunter sind sehr viele Paare, die ihren Kindern die Gartenarbeit zeigen wollen. Aber auch stadtplanerisch und architekturinteressierte Leute greifen nach Feierabend zum Spaten. "Und dann hast du plötzlich einen Architekten, der noch nie gegärtnert hat, zusammen mit einer zwölfjährigen Waldorfschülerin, einer türkischen Oma mit Kopftuch und einem Grundschullehrer mit Familie dabei. Und die pflanzen zusammen Spinat." Das ist für Robert das Schönste an dem Projekt: Dass sich die Leute an diesem Ort mischen und durch die gemeinsame Arbeit kennenlernen – über alle Alters- und Herkunftsgrenzen hinweg.

Sortenvielfalt und Selbsternte

Angebaut werden ausschließlich essbares Gemüse und Kräuter, und das nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. "Zum einen bauen wir die Standardsorten an, die jeder kennt. Daneben versuchen wir aber auch für die meisten Arten eine möglichst große Sortenvielfalt anzubauen." Im letzten Jahr waren es beispielsweise fünfzehn verschiedene Kartoffel-, zwanzig verschiedene Tomatensorten, sieben Karottensorten, fünfundzwanzig Minz- und fünfunddreißig Thymiansorten. Insgesamt wurden an die 520 verschiedene Arten und Sorten gepflanzt – darunter auch einige Exoten wie der vietnamesische Blattkoriander und eine Urwaldbohne.

Verkauft wird dann nach dem Selbsternteprinzip: Die Kunden können ihr Gemüse selbst aussuchen und ernten. Wer nur zum Einkaufen kommt, zahlt einen Preis leicht über dem im Bioladen – dafür erhält er lokales Saisongemüse in Bioqualität frisch vom Feld. Wer ab und an mithilft, bekommt dagegen einen Mitarbeiterpreis unter Discounterniveau.

Beetpatenschaften für nachhaltiges Grün

Integration, Gemeinschaft und saisonales Biogemüse aus der Region: Ein faszinierendes Konzept, das gut funktioniert. Allerdings basiert das Projekt zum Großteil auf dem Idealismus der Betreiber – viel Gewinn wirft es noch nicht ab. Robert ist dennoch froh: Er hat eine sinnvolle Arbeit gefunden, die ihm gefällt und bei der er seinen Sohn mitnehmen kann. Und die Idee verbreitet sich: Zusammen mit einer Kulturorganisation wird gerade ein zweiter Garten in Hamburg eröffnet. Zudem gibt es Anfragen aus Leipzig, Zürich, Düsseldorf, München, Saarbrücken, Freiburg und weiteren Städten der Republik.

Wenn Du mithelfen willst, den Prinzessinnengarten langfristig zu erhalten, kannst Du eine Beetpatenschaft übernehmen.

Mehr Informationen unter: www.prinzessinnengarten.net

Thomas Sedlmeyr


Bildquelle: Thomas Sedlmeyr













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