Werkhaus – Möbel mit (Steck-)System

Warum wir dieses Projekt lieben

Pfiffige Ideen, tolles Design.
Setzt viele kleine Schritte für umweltfreundliches Wirtschaften um.
Gibt Menschen mit Behinderung in strukturschwachem Gebiet Arbeit.

Geh einen Schritt

Werkhaus – Möbel mit (Steck-)System

Eva über ressourcenschonende Einrichtungsgegenstände

Die Werkhaus-Gründer setzen nicht nur auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen: „Für mich zählt zum Nachhaltigkeitsbereich auf jeden Fall auch noch die Personalwirtschaft.“ erklärt Eva Danneberg.

Am Rande der Lüneburger Heide, unweit der ehemaligen innerdeutschen Grenze, liegt Bad Bodenteich: Ein idyllischer Luftkurort mit zwei von Parkanlagen umgebenen Seen und zahlreichen Hotels und Gasthäusern. Von dem Hügel mit dem ehemaligen Wasserschloss aus kann man die Lastschiffe beobachten, die gemächlich den Elbe-Seitenkanal entlang schippern. Westlich des Kanals zieht sich das Industriegebiet in den Wald. Hier besuchen wir die Werkhaus GmbH.

Nach einer freundlichen Begrüßung bietet uns Geschäftsführerin Eva Danneberg einen Kaffee an; Dann reicht sie uns einen mit Fotopapier beklebten, kastenförmigen Hocker. Wir sind beeindruckt: Das Möbelstück besticht durch Form, Farben und Motive – der eigentliche Clou jedoch liegt in der Konstruktion. Diese beruht auf einem ebenso einfachen wie genialen Prinzip: Man nehme mitteldichte Holzfaserplatten (MDF-Platten), die durch Schlitze und Ohren ineinander gesteckt und mit Gummiringen fixiert werden. Das spart sowohl Platz beim Versand als auch Schrauben und Werkzeug. Obendrein ist es kinderleicht zu montieren.

Vom Kaleidoskop zum Fotohocker – die Geschichte von Werkhaus

Das Stecksystem lieferte vor nunmehr 19 Jahren den Grundstein für Werkhaus. Ausgedacht hat es sich Evas Mann Holger. Eigentlich wollte der kreative Kopf des Unternehmens ja Bio-Bauer werden – wofür ihm jedoch das nötige Land fehlte. Dafür steckte er schon immer voller Ideen und besitzt eine gehörige Portion Tatkraft: Zunächst betrieb er gemeinsam mit seinem Bruder eine Töpferei; Im Anschluss baute er ein Geschäft mit Kaleidoskopen auf.

Der große Durchbruch kam dann quasi über Nacht: Holger experimentierte mit Holzfaserplatten und einer Fräse, allerdings ließ sich das fasrige Material nur schlecht schrauben. Und plötzlich war sie da, die Idee des Stecksystems. Für die gelernte Erzieherin Eva kam dann die berufliche Wende: Sie begann sich kaufmännisch weiterzubilden und absolvierte, als die Kinder schon größer waren, ein berufsbegleitendes BWL-Studium. Ihre Sache macht sie sichtbar gut: Heute besitzt Werkhaus neben dem Versand je einen Laden in Hamburg und Berlin.

Pfiffige Produkte mit Anspruch

In den Läden werden Büro-, Wohn- und Spielmöbel sowie optische Spielzeuge angeboten. Die Kaleidoskope sind auch heute noch Teil der Produktpalette, ebenso wie Büroaccessoires. Darüber hinaus produziert Werkhaus Verkaufsdisplays und kreiert individuelle Messestände.

Holger Danneberg sorgt weiterhin für frische Ideen. Unterstützt wird er von einem kreativen Team aus Designern, Architekten und Kaufleuten. Innovation ist einer der vier Grundpfeiler von Werkhaus. Daneben baut das Ehepaar auf soziale Verantwortung, ökologischen Anspruch und die bewusste Produktion im Standort Deutschland.

Ökologische Nachhaltigkeit – eine Frage des Materials


Zum Konzept einer möglichst umweltverträglichen Produktion gehört der Einsatz wasserlöslicher Farben, wie sie für Spielzeugsteinchen hergestellt werden. Diese sind völlig ungiftig und lassen sich problemlos entsorgen. Im sparsamen Walzverfahren werden die Farben auf das Holz aufgetragen, die Oberfläche wird mit pflanzlichen Wachsen behandelt.

Andere Produkte, wie der Fotohocker, werden mit bedrucktem Papier beklebt: Hier arbeitet Werkhaus mit Anbietern CO2-neutraler Druckdienstleistungen zusammen, verwendet unbedenkliche Klebstoffe und Recycling- oder FSC-zertifiziertes Papier. „Das ist grundsätzlich in unserer Philosophie so verankert, dass wir bei dem Material natürlich nur das Beste für die Umwelt auswählen wollen.“

Werkhaus – Kleine Schritte für diese Welt


Einen kleinen Wermutstropfen stellen die MDF-Platten dar: Die normalerweise für Schrankrückwände genutzten Faserplatten haben zwar den Vorteil, dass sie aus geschreddertem Altholz hergestellt werden und somit den Waldbestand schonen – allerdings enthalten sie Formaldehyd.

Die Dannebergs greifen deshalb auf feucht gepresste Platten der Emissionsklasse E0 (formaldehydfrei) oder, da diese nur schwer und nicht in allen Stärken erhältlich sind, E1 (niedrigste Schadstoffklasse) zurück. Ein weiteres Manko des Materials haben sie in Eigenregie gelöst: MDF-Platten können nicht recycelt werden, der Verschnitt wird deshalb gehäckselt und über ein Silo in die Firmenheizung eingespeist.

Nicht alle Produkte sind somit in gleichem Maße ökologisch, aber wo es geht, gehen die Dannebergs nachhaltige Wege. Viele kleine Schritte für diese Welt eben: Ob Bio-Essen in der Kantine, handgefertigte Tierpuppen aus biologischer Baumwolle oder der Öko-Strom, den Werkhaus von Greenpeace bezieht – für Holger und Eva zählt die Eigenverantwortung: „Jeder kann bei sich selber anfangen und gucken, was er tun kann. Und das sollte wirklich jeder machen, dem etwas an der Zukunft liegt.“

Soziale Verantwortung durch Integration in der Region

Die Werkhaus-Gründer setzen nicht nur auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen: „Für mich zählt zum Nachhaltigkeitsbereich auf jeden Fall auch noch die Personalwirtschaft.“ erklärt Eva. In der strukturarmen Gegend ist es sehr schwer, einen Job zu bekommen. Und für manche ist es sogar noch schwerer.

Seit Anbeginn der Firmengründung integrieren die Dannebergs daher bewusst Menschen mit Behinderung, ausländische und jugendliche Jobsucher sowie Ausbildungsabbrecher. „Das liegt uns am Herzen, dass alle mitgenommen werden, und nicht nur immer die Sahne oben abgeschöpft wird; Wir sind nicht so profitorientiert, dass wir nur Geld verdienen wollen.“ kommentiert die Geschäftsführerin. „Integration statt Outsourcen“ lautet die Devise.

Werkhaus – faire Preise und freudige Kunden

So manch ein Produkt von Werkhaus wurde schon für sein ästhetisches Design ausgezeichnet.  Dennoch bleibt das Ehepaar auf dem Boden: Für Eva ist es wichtig, dass ihre Produkte eben gerade „keine abgehobenen Designartikel sind, sondern langlebige Dinge, die man benutzt.“ Deshalb muss der Preis stimmen – nicht unter Wert, aber auch nicht zu hoch, damit sie für jedermann bezahlbar sind.

Und wie reagieren die Kunden? „Ja, gerade in den Läden kann man das natürlich ganz toll beobachten, unsere Verkaufskräfte sind immer sehr glücklich, weil sie viel positives Feedback bekommen. Das geht durch alle Altersstufen, dass Leute in den Laden kommen und sagen, ah, das ist ja toll, was ihr hier macht…“ Dem können wir nur zustimmen. Voll neuer Eindrücke verabschieden wir uns von Eva und Bad Bodenteich und treten die Heimreise an.


Thomas Sedlmeyr
 

YouTube Link: http://www.youtube.com/watch?v=8fs3B88Gpeg

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