Verstehen : Welche Folgen hat der Baumwollanbau?

Welche Folgen hat der Baumwollanbau?

Die Folgen des konventionellen Baumwollanbaus

Erklärung

Unsere Meinung

Das Bio-Müsli, der Bio-Joghurt – und nun auch noch die Bio-Baumwolle. Und dann wollen sie auch noch mehr Geld für die drei Buchstaben...Ganz so einfach ist es nicht. Denn Qualität hat ihren Preis. Im Falle der Bio-Baumwolle ist es ganz bestimmt Lebensqualität, die man erwirbt: Lebensqualität der Arbeiter, die nicht mehr an Pestizidvergiftungen leiden und einen gerechten Lohn für ihre Arbeit erhalten, Lebensqualität der Natur, der Gifte erspart und deren Arten verschont bleiben und letztendlich Deine eigene Lebensqualität, indem Du Dich selbst weniger Schadstoffen aussetzt und Dir bewusst wirst, dass Du nicht nur ein Kleidungsstück, sondern ein Stück Verantwortung mit gutem Gewissen trägst. Wusstest Du schon, dass „Bio“ vom altgriechischen „bios“ kommt und übersetzt „Leben“ heißt?

Mit Bio-Baumwolle trägt man eine Faser, die selbst eine tragende Rolle für Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit spielt. Man wirkt dem hohen Pestizideinsatz des konventionellen Baumwollanbaus entgegen und schont damit Mensch und Natur.

 

Es ist gut möglich, dass der ein oder andere Ägypter beim Pyramidenbau in ein Baumwollhemd schwitzte, denn seit etwa 5.000 Jahren trägt die Menschheit schon diese beliebte Naturfaser. Heute macht die Baumwollernte etwa die Hälfte der Textilfaserproduktion aus. China, USA und Indien sind nur drei von achtzig Ländern weltweit, die Baumwolle produzieren. Würde man mit den 25 Millionen Tonnen Baumwolle, die jährlich geerntet werden, nur T-Shirts produzieren, wären dies etwa 60 Milliarden an der Zahl.1Anker Die Natur würde diese Mengen nicht von sich aus produzieren. Mit künstlicher Bewässerung und Pestizideinsatz wird sie zu Höchstleistungen gedopt. Leider nicht ohne Nebenwirkungen.
 

Durstige Baumwolle

Baumwollpflanzen sind durstig. Durch die preisgünstige doch verschwenderische Oberflächenbewässerung versaufen sie laut Münchner Umweltinstitut sechs Prozent des globalen Süßwasserverbrauchs. Jährlich sind das 300 Billionen Liter und damit das Vierfache des Grundbedarfs aller Menschen. Die Verbraucher Initiative vermutet, dass man diese Menge mit dem Wasserverbrauch aller privater Haushalte der Erde gleichsetzen könne.2Anker Es gäbe die Möglichkeit, mit der effektiveren Tröpfchenbewässerung entgegenzuwirken. Die Anlagen dafür können sich weltweit allerdings nur die wenigsten Baumwollbauern leisten.

Je mehr Wasser die Baumwolle verbraucht, desto weniger bleibt für die Menschen. Trinkwasserknappheit, sinkende Grundwasserspiegel, Bodenversalzung, Erosion und Versteppung sind Nebenwirkungen des Baumwollanbaus. Wer dies nicht glauben kann, sollte einen Ausflug zum ehemals viertgrößten Binnengewässer der Welt machen, dem Aralsee. Nicht nur, dass sich der See auf ein Drittel seiner Ursprungsgröße zurückgezogen hat, sondern in seiner Umgeung kommen auch gehäuft Fälle von Atemwegs- und Krebserkrankungen vor, die mit pestizidverseuchtem Staub in Verbindung gebracht werden.3Anker
 

Pestizide in Shirt und Lunge

Der Pink Bollworm ist nicht etwa eine niederländische Apfelsorte, sondern der Rote Baumwollkapselwurm. Er ist unter anderem der Grund dafür, dass die in Monokulturen angebaute Baumwolle mit Pestiziden überschüttet wird, und zwar mit 11 Prozent der weltweit verwendeten Pflanzenschutzmittel. Und da der Pink Bollworm eine Menge Kumpels hat, sind es unter den Insektiziden sogar 25 Prozent der weltweit eingesetzten Menge, die auf Baumwollfeldern landen. Hinzu kommen Düngemittel, Wuchsstoffe und Entlaubungsmittel wie das im Vietnam Krieg eingesetzte Agent Orange.

Die „Kollateralschäden“ sind grausam: Die World Health Organisation (WHO) schätzt, dass es im Baumwollanbau jährlich bis zu zwei Millionen Vergiftungen bei Menschen kommt. 40.000 davon enden tödlich. Für 10.000 Tote sind allein Pestizide verantwortlich.4Anker Selbst in Ländern mit hoher technischer Ausrüstung und Sicherheitsstandards kommt es zu Vergiftungen. Laut Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) sind es allein im Bundesstaat Kalifornien jährlich 1.000 Fälle.

Dass der Gifteintrag in Boden, Luft und Gewässer keine günstigen Nebenwirkungen auf die Umwelt hat, dürfte sich von selbst erklären. Auch Nützlinge werden vernichtet und es kommt zu Missbildungen und Verschiebungen der Artenzusammensetzung. Nicht zuletzt gelangen die Gifte am Ende wieder in Futter- und Lebensmittel und somit in den Menschen. Das Leben ist nunmal ein Kreislauf.
 

Gentechnik zum Anziehen

Um weniger Pestizide auftragen zu müssen und somit Geld zu sparen, vertraut so mancher Bauer auf die Gentechnik. 40 Prozent der weltweiten Baumwolle werden so produziert. Pflanzen, die sich selbst mit einem Gift gegen Schädlinge wehren können, werden im Labor herangemixt. Nur dumm, dass sie dreimal so viel Wasser brauchen wie ihre natürlichen Kollegen. Zudem wirkt ihr Gift nur gegen bestimmte Schädlinge. Gegen Pilzbefall sind die Frankentstein-Pflänzchen anfälliger. Pestizide müssen also doch wieder her. Auch gegen Schädlinge, die gegen das Gift der Gen-Baumwolle resistent werden, müssen weiterhin Pflanzenschutzmittel gespritzt werden.5Anker

Laut einer Studie der Universität Georgia haben die Bauern durch Gentechnik-Baumwolle somit keinerlei ökonomische Vorteile.6Anker Auch die New Yorker Cornell Universität hat nachgeforscht und zahlreiche neue Schädlinge entdeckt, die sich im Gen-Feld wohlfühlen. Die Probleme rund um die Baumwolle sind also nicht wirklich gelöst. Vielmehr geht man das Risiko ein, dass durch Genpflanzen zusätzlich noch nicht absehbare Folgen entstehen könnten.


Harte Bedingungen in der Baumwollproduktion

Seit der Einführung der Gen-Baumwolle im Jahr 2002 gab es in Indien eine Selbstmordwelle. Was war geschehen: Gen-Pflanzen kann man in freier Natur nicht nachzüchten. Die Bauern müssen ihr Saatgut jedes Jahr aufs Neue kaufen und geraten in Abhängigkeit von den Konzernen und nicht selten in die Verschuldung – genauso durch Pestizide, die auf Kredit gekauft werden müssen. PAN berichtet von indischen Landwirten, die aus lauter Verzweiflung die Pestizide tranken, weil sie Schuldenfalle und Verarmung nicht mehr entkamen.

Die Bedingungen in der Baumwollproduktion sind für alle hart: Feldarbeiter leiden oft an Erkrankungen der Atemwege, der Augen und des Nervensystems. Das Krebsrisiko ist erhöht, ebenso die Wahrscheinlichkeit unfruchtbar zu werden oder missgebildete Babys auf die Welt zu bringen. Frauen und Mädchen arbeiten oft unbezahlt. Arbeiter auf Baumwollplantagen haben eine Lebenserwartung von gerade mal 40 Jahren.7Anker


Bio-Baumwolle

Die Probleme des konventionellen Baumwollanbaus werden im ökologischen Anbau umgangen. Man verzichtet auf chemisch-synthetische Pestizide, auf Entlaubungsmittel, chemischen Dünger und Gentechnik. Man plant Fruchtfolgen vorausschauend und rückt Schädlingen mechanisch auf den Pelz. Der Pink Bollworm muss zwar sein Köfferchen packen, kann aber aufatmen.

Die Feldarbeiter setzen sich nicht mehr der Gefahr einer Vergiftung aus. Es gibt keine Kinder- oder Zwangsarbeit, Bezahlungen sind gerecht und die Arbeiter dürfen sich organisieren. Ökologische und soziale Standards umfassen besonders das IVN- und das GOTS-Siegel. Mit dem Kauf von Bio-Baumwolle erwirbst Du mehr als ein qualitativ hochwertiges Kleidungsstück. Du kaufst ein Stück Freiheit, Gesundheit und Natur. Nicht nur der Pink Bollworm dankt es Dir.


Martina Liel

Dez. 2010


1Anker     Siehe auch: Fragen & Antworten - Bekleidung; Umweltinstitut München e.V.; http://umweltinstitut.org/fragen--antworten/bekleidung/konventionelle_bekleidung-678.html, (Stand: 20.01.11)
2Anker     Siehe auch: Konventioneller Baumwollanbau; oeko-fair.de; http://www.oeko-fair.de/index.php/cat/797/title/Konventioneller_Baumwollanbau (Stand: 28.05.10)
3Anker     Siehe auch: Konventioneller Baumwollanbau – Problematisch für Mensch und Umwelt; Pestizid Aktions-Netzwerk; Hamburg 2000. www.pan-germany.org/download/br_konv.pdf
4Anker      Siehe auch: Fragen & Antworten - Bekleidung; Umweltinstitut München e.V.; http://umweltinstitut.org/fragen--antworten/bekleidung/konventionelle_bekleidung-678.html, (Stand: 20.01.11)
5Anker   Siehe auch: Konventioneller Baumwollanbau; oeko-fair.de; http://www.oeko-fair.de/index.php/cat/797/title/Konventioneller_Baumwollanbau (Stand: 28.05.10)
6Anker   Siehe auch: Fragen & Antworten - Bekleidung; Umweltinstitut München e.V.; http://umweltinstitut.org/fragen--antworten/bekleidung/konventionelle_bekleidung-678.html, (Stand: 20.01.11)
7Anker     Siehe auch: Konventioneller Baumwollanbau; oeko-fair.de; http://www.oeko-fair.de/index.php/cat/797/title/Konventioneller_Baumwollanbau (Stand: 28.05.10) 

Bildnachweis:
Titelbild: © Dieter Schütz / Pixelio.de
2. Bild:   © wrw / Pixelio.de

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Kommentare *

Saro 1

This is a cool understand .. I problemed it

Saro 2

This is another problem I just understoond.

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