Verstehen : Welche Folgen hat unser Fleischkonsum?

Welche Folgen hat unser Fleischkonsum?

Viehwirtschaft und Klimawandel

Erklärung

Unsere Meinung

So komplex die negativen Auswirkungen des überhöhten Fleischkonsums sind, so simpel gestalten sich die Lösungen für den Einzelnen. Konsequenter Verzicht ist eine Möglichkeit – leckere vegetarische Alternativen gibt es zuhauf. Wer allerdings nicht gleich zum Vegetarier werden will, der kann seinen ökologischen Fußabdruck mit einfachen Rezepten wie FDH oder einer Rückbesinnung auf den guten alten Sonntagsbraten spielend reduzieren. Statt unmäßigem Konsum von Fleisch aus Massentierhaltung empfehlen nicht nur viele Spitzenköche den bewussten Genuss von Bio-Fleisch aus der Region: Das ist qualitativ besser und trägt obendrein zum Erhalt der Regenwälder, zur Ressourcenschonung sowie zum Klima- und Tierschutz bei. Damit es auch morgen noch schmeckt.

Ob Hamburger, Schweinebraten oder Grillhähnchen, Fleisch gehört für viele Menschen zum täglichen Brot. Wir essen jedoch nicht nur mehr Fleisch als gesundheitlich gut für uns ist, sondern belasten durch die intensive Viehhaltung auch unsere Biosphäre über die Maßen.

 

Die weltweite Fleischproduktion stieg zwischen 1980 und 2002 um 22 Prozent.1Anker In Deutschland liegt der jährliche Fleischkonsum pro Kopf bei fast 90 Kilogramm. In Amerika wird rund ein Viertel mehr verspeist. In Entwicklungs- und Schwellenländern hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch von 1980 bis 2002 von 14 auf 28 Kilogramm verdoppelt.

Die globale Fleischproduktion trägt dabei massiv zur Vernichtung der letzten Urwälder, aber auch maßgeblich zu Klimawandel, Nahrungsmittelknappheit und Bodenerosion bei – und verbraucht zugleich Unmengen an Wasser und Energie.


Klimakiller Fleisch

Der Klimawandel ist in aller Munde – nach dem Vorbild des belgischen Gent führten Anfang 2010 auch Bremen und Schwerin einen vegetarischen Wochentag ein. Dieser sogenannte „Veggie-Tag“ soll dem Klimaschutz dienen, denn die Auswirkungen der Fleischproduktion auf unser Klima sind immens:

Eine Studie2Anker beziffert den Anteil der globalen Viehwirtschaft an den vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen mit 18 Prozent. Ungefähr die Hälfte davon ist Kohlendioxid, das bei der energieaufwendigen Dünger- und Futterproduktion durch Transport, Lagerung und Verarbeitung freigesetzt wird. Der Rest geht auf das Konto der Klimagase Methan und Lachgas.
 

Methan und Lachgas aus Viehhaltung

Methan ist 23-mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid und entsteht in großen Mengen im Verdauungstrakt von Rindern und Schafen. Eine einzige Milchkuh produziert binnen eines Jahres mehr als 110 Kilogramm Methan – und trägt damit, nach Berechnungen des WWF, soviel zum Klimawandel bei, wie der Kohlendioxidausstoß eines Kleinwagens mit 18.000 Kilometern Fahrtleistung!

Lachgas wiederum ist fast 300-mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid. Es wird beim Einsatz von synthetischen Stickstoffdüngern und Wirtschaftsdüngern wie Gülle und Jauche für die Futterproduktion freigesetzt und gelangt in die Atmosphäre.
 

Viehhaltung und Sojaanbau zerstören den Regenwald

Tatort Regenwald: Wo vor wenigen Jahren noch dichtes Grün herrschte, weiden heute Rinderherden. In Mittel- und Südamerika ist die Viehwirtschaft mittlerweile hauptverantwortlich für die Vernichtung der letzten Urwälder. 70 Prozent des gerodeten brasilianischen Amazonaswaldes werden für Weiden genutzt, die restlichen 30 Prozent größtenteils für den Anbau von Futtersoja. Weltweit werden Futtermittel bereits auf einem Drittel der Anbauflächen produziert.

Die vorhandene Ackerfläche wird auf lange Sicht nicht ausreichen, um die wachsende Nachfrage nach Fleisch zu stillen. Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit errechnet, dass die gesamte Ackerfläche der Welt benötigt würde, um bei anhaltendem Trend 2050 noch den Bedarf an Eiweißfuttermittel für die Tierhaltung zu stellen.
 

Fleisch – zahlreiche Folgen, wenige Kalorien

Überall auf der Welt zeigt die intensive Viehwirtschaft dieselben unmittelbaren Folgen: Die Artenvielfalt geht zurück, Unmengen an Wasser werden verbraucht und mit Pestiziden und Düngemitteln belastet. Ammoniak aus Jauche und Mist führt zu saurem Regen und Waldsterben. Und sowohl Überweidung als auch Überdüngung führen zum Verlust fruchtbarer Böden.

Dabei verbraucht Fleisch viel mehr Nahrung, als es schafft: Für ein Kilogramm Fleisch werden bis zu acht Kilogramm Getreide benötigt. 40 Prozent der weltweiten Getreideproduktion wird an Tiere verfüttert. Eine Kalorie Rindfleisch benötigt bis zu 21 Kalorien aus Getreide. Der Kalorienverlust aus der Verfütterung entspricht dem Kalorienbedarf von 3,5 Milliarden Menschen.
 

Die grausame Praxis der Massentierhaltung

Das Rindfleisch landet auf unseren Tellern, das eiweißreiche Soja auf den Futterbändern von konventionellen Mastbetrieben: Die Europäische Union ist der größte Importeur von südamerikanischem Soja, und Deutschland deckt damit rund 30 Prozent seines Futtermittelbedarfs ab – die eigenen Flächen genügen weder für eine ausreichende Fütterung unserer Nutztiere, noch für eine artgerechte Tierhaltung. Der Großteil des hierzulande erzeugten Fleisches stammt aus der Massentierhaltung: Diese Fleischfabriken haben mit traditioneller Landwirtschaft nicht mehr das Geringste zu tun, sondern behandeln Lebewesen als bloße Gewinnobjekte.

Im Dämmerlicht geschlossener Hallen werden Tiere auf engstem Raum und in möglichst kurzer Zeit mit Kraftfutter aufgemästet. Schweine in der Regel zusammengepfercht auf Spaltböden ohne Einstreu und Rinder in engen Boxen. Da die auf Hochleistung gezüchteten Tiere durch einseitige Ernährung, Bewegungsmangel und Dauerstress infolge ihrer unnatürlichen Haltungsbedingungen leicht erkranken, werden sie mit Antibiotika behandelt – Rückstände selbiger, wie Schwermetalle und Pestizidrückstände, werden vom Menschen mit der Ernährung aufgenommen und für Resistenzen von Bakterien verantwortlich gemacht. Am Ende eines solchen Lebens steht der qualvolle Transport zur Schlachtbank.
 

Fleischkonsum und Gesundheit

Lange Zeit wurden Vegetarier sorgenvoll bis misstrauisch beäugt. Fleisch galt als gesund, geradezu unabkömmlich für die menschliche Ernährung. Diese Ansichten sind längst überholt: Heute warnen Ernährungswissenschaftler vor einem übermäßigen Fleischkonsum – denn wer zuviel Steaks und Braten verzehrt, der schneidet sich gesundheitlich ins eigene Fleisch: Einer groß angelegten Langzeitstudie des Nationalen Gesundheitsinstituts der USA zufolge steigert ein hoher Konsum von rotem Fleisch (Schwein, Rind und Schaf) die Sterblichkeit durch Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen gegenüber einem niedrigen Konsum um mehr als 30 Prozent.

Diese Ergebnisse werden durch eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums untermauert: Vegetarier erliegen demnach nur halb sooft Schlaganfällen und Herzinfarkten wie durchschnittliche Fleischesser, besitzen ein um 25 (Frauen) bis 50 (Männer) Prozent reduziertes Darmkrebsrisiko und erkranken seltener an Durchblutungsstörungen und Bluthochdruck. Übermäßiger Fleischkonsum ist zudem oft der Auslöser für Übersäuerung, für Gicht, Diabetes und zahlreiche andere Krankheiten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb lediglich 300-600 Gramm Fleisch in der Woche zu essen.


Fleischkonsum reduzieren

Es tut nicht nur unserer Gesundheit gut, den Fleischkonsum zu reduzieren: Olivier de Schutter, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen, sagt, dass bei einer Reduzierung des Fleischkonsums der reichen Länder bis 2050 auf 37,4 Kilo pro Kopf etwa 400 Millionen Kilo Getreide für die menschliche Ernährung freigesetzt werden könnte. Dies wäre dann genug, um 1,2 Milliarden Menschen mit ausreichend Kalorien zu versorgen.3Anker




Thomas Sedlmeyr

Dez. 2010


1Anker     Zahlen aus: Sabine Weick: Fleischkonsum; Information zur Brot für die Welt-Kampagne „Niemand isst für sich allein“, Stuttgart 2010; siehe: http://www.brot-fuer-die-welt.de/ernaehrung/4431_DEU_HTML.php
2Anker    Siehe auch:  www.fao.org
3Anker     Siehe auch: Sabine Weick: Fleischkonsum; Information zur Brot für die Welt-Kampagne „Niemand isst für sich allein“, Stuttgart 2010; siehe: http://www.brot-fuer-die-welt.de/ernaehrung/4431_DEU_HTML.php


Bildnachweis: © Barbara Eckholdt / Pixelio


 

 

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Kommentare *

Saro 1

This is a cool understand .. I problemed it

Saro 2

This is another problem I just understoond.

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