Verstehen : Warum ist Recyclingpapier besser?

Warum ist Recyclingpapier besser?

Erklärung

Unsere Meinung

Sich an einem Blatt Papier zu schneiden tut ganz schön weh. Die riesigen Lücken, die wir durch das Abholzen der letzten Urwälder in das Antlitz dieser Erde schneiden, sind noch viel schmerzvoller. Es heizt zum einen das Klima ein, zum anderen bedeutet der Verlust an Lebensraum und Artenvielfalt langfristig für uns die Bedrohung der Ressourcen für Heilmittel und der Ernährungssicherheit. Nachhaltige Alternativen sorgen dafür, dass unsere Ressourcen geschont werden; wir müssen sie nur nutzen. Recyclingpapier und Papiersparen sind zwei von vielen kleinen Schritten in die richtige Richtung. Wir sollten mitgehen, bevor wir uns buchstäblich ins eigene Fleisch schneiden.
 

Mit dem Papierverbrauch verschwinden die Wälder


Wir lesen, schreiben, drucken, wischen, kleben, packen, basteln und dekorieren damit und lassen sogar unseren Kaffee durchlaufen. Papier ist ein faszinierendes, vielseitiges Produkt. Mehr als 3.000 verschiedene Sorten gibt es insgesamt. Sie alle bestehen aus Millionen von winzigen Fasern, die ineinander verhakt sind. Und diese Fasern stammen von Bäumen.

Wie wird Papier hergestellt?

Für die Herstellung von so genanntem "Primärfaserpapier" werden Bäume gefällt, geschält und die Stämme dann zerkleinert. So erhält man zunächst "Holzschliff", aus dem beispielsweise Zeitungen gemacht werden. Doch jeder weiß, was passiert, wenn die Zeitung einige Jahre lang im Schrank liegt: Sie vergilbt und das Papier wird brüchig. Die beiden Holzstoffe "Lignin" und "Hemizellulose" sind dafür verantwortlich.

Um das Papier haltbarer zu machen und das Vergilben auszuschließen, müssen die beiden Stoffe herausgezogen werden. Übrig bleibt Zellstoff. Da das Lignin aber sehr hartnäckig am Holz festhält, muss es sehr lange in reichlich Wasser und Chemikalien gekocht werden, damit es extrahiert werden kann. Der Zellstoffbrei, der am Ende übrig bleibt, wird dann noch mit weiteren Chemikalien gebleicht und letztendlich in der Papiermaschine gepresst und getrocknet. Aus 100 Kilogramm Holz erhält man 50 Kilogramm Zellstoff. Der Rest ist "Müll".

Es gibt eine weitere Möglichkeit, Papier herzustellen. Man nimmt Altpapier und macht daraus sogenanntes „Sekundärfaserpapier". Das alte Papier wird dafür in riesigen Bottichen eingeweicht und zu einem Brei verrührt. Anschließend wird der Brei gefiltert, um Büroklammern, Tesafilm oder sonstige Fremdstoffe herauszuholen. Auch alte Druckfarbe wird entfernt. Je nachdem wird der Brei noch gebleicht und kommt dann zu guter Letzt in die Papiermaschine.

Recyclingpapier hat die bessere Umweltbilanz


Bereits vor zehn Jahren belegte das Umweltbundesamt in seiner Studie "Ökobilanzen für grafisches Papier", dass Recyclingpapier eine wesentlich bessere Umweltbilanz hat als Primärfaserpapier. Eine jüngere Studie des IFEU-Instituts mit dem Titel  "Ökologischer Vergleich von Büropapieren in Abhängigkeit vom Faserrohstoff" unterstreicht dieses Ergebnis erneut: Recyclingpapier ist im Hinblick auf Klimaschutz, Energie- und Wasserverbrauch ökologisch vorteilhafter als Papier aus frischen Fasern, selbst wenn diese aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammen (FSC-Siegel).

Die Herstellung von Papierfasern aus Altpapier bedarf wesentlich weniger Energie. Die Produktion von 250 Blatt recyceltem Papier spart beispielsweise so viel Strom, dass man damit eine 11-Watt- Energiesparlampe mehr als 50 Stunden lang brennen lassen könnte. Der Blätter allein sparen so viel Energie, dass man damit einen Liter Wasser kochen könnte.

Recyceltes Papier schont Wasser und Klima

Recyclingpapier spart nicht nur Energie. Auch der Wasserverbrauch ist bei der Herstellung wesentlich geringer. Die IFEU-Studie hält fest: Würde das gesamte Kopierpapier, das in Deutschland eingesetzt wird (800.000 Tonnen im Jahr) aus Altpapier hergestellt, so würde man etwa 25 Mio. Kubikliter Wasser sparen, was dem Fassungsvermögen der Wuppertalsperre entspräche.

Für die Wiederverwertung von Altpapier sind weniger Chemikalien im Einsatz. Auch klimaschädliche Gase werden eingespart, da weniger Energie aufgewendet wird und die Transportwege kürzer sind. Eine Tonne Recyclingpapier vermeidet im Gegensatz zu Frischfaserpapier so viel Kohlendioxid, wie ein durchschnittliches Auto auf 1.000 Kilometern ausstößt.

Wir verbrauchen zu viel Papier

In einem Jahr liegt der Pro-Kopf-Verbrauch an Papier in Deutschland bei knapp 230 Kilogramm, das wäre ein 6 Meter hoher Heftstapel, Tendenz steigend. Pro Tag macht das etwa ein halbes Kilogramm Holz. Ein Kind in Deutschland hat nach seinem ersten Lebensjahr schon so viel Papier verbraucht wie ein Mensch in Indien nach 57 Jahren. Das gesamte Land verbraucht so viel, wie ganz Afrika und Lateinamerika zusammen.

Das Paradoxe an der Sache ist, dass wir mit steigender Technologisierung immer mehr Möglichkeiten hätten, Papier zu sparen, etwa durch das Lesen von Texten am Computer, das Versenden von Rechnungen im Internet oder Online-Banking. Doch die Nachfrage nach Papier steigt. Gleichzeitig wird immer weniger Recyclingpapier verwendet: Vor 20 Jahren etwa waren 70 Prozent der Schulhefte aus Altpapier. Heute sind es nur noch rund 5 Prozent.

Die Urwälder verschwinden

Für unseren Papierkonsum importieren wir Faserstoffe aus 130 Ländern. Dabei verschwinden die Regenwälder in keinem anderen Land so rasend wie in Indonesien. Jährlich wird dort eine Fläche so groß wie 5 Millionen Fußballfelder abgeholzt. Es werden immer mehr Zellstoff- und Papierfabriken errichtet, dafür verschwinden immer mehr Tier- und Pflanzenarten. In den letzten hundert Jahren ist der Bestand an Orang-Utans um 91 Prozent zurückgegangen. In 10 Jahren wird es sie vielleicht nicht mehr geben.

Zellstoff wird mit Chlor gebleicht. Giftige Abwässer aus den Fabriken gelangen in die Flüsse. Unter den Anwohnern kommt es vermehrt zu Haut- und Atemwegserkrankungen. Der indonesichen Bevölkerung wird mit dem Urwald die Lebensgrundlage genommen. Viel anders ist es auch nicht in Brasilien.

Mit Kanada ist ein westliches Industrieland betroffen. Hier sind bereits 40 Prozent der Urwälder verschwunden (weltweit sind es übrigen 80 Prozent). Der Boden wird weggeschwemmt, Flüsse versanden die kanadische Tier- und Pflanzenwelt wird zerstört. Im Jahr verschwindet eine Fläche Wald so groß wie 1,4 Millionen Fußballfelder. Wäre dies in Deutschland der Fall, gäbe es hier in 10 Jahren keinen Wald mehr.

Altpapier sammeln, Recyclingpapier kaufen und Papier sparen

Recyclingpapier ist bezüglich Energie- und Wasserverbrauch, Chemikalieneintrag und CO2-Emission wesentlich günstiger als Primärfaserpapier. Es schont unsere Holzressourcen und trägt zum Schutz der Wälder bei. Das Sammeln von Altpapier ist somit absolut notwendig. Es ist wesentlich sinnvoller, es für neues Papier zu verwenden, als es über den Restmüll zu verbrennen.

Versuche haben ergeben, dass die Papierfaser bis zu sechsmal recycelt werden kann. Mit jedem recyceln werden die Fasern jedoch kürzer, so dass sich der Prozess nicht unendlich oft fortsetzen lässt. Bisher kommen Papierfasern in Deutschland nur auf zwei bis drei Recycelvorgänge. Hier ist also noch viel Potential offen. Die Devise lautet: Altpapier sammeln, Recyclingpapier kaufen und langfristig Papier sparen!

 

Martina Liel

April 2011

Quellen:
http://www.abfall-kreis-tuebingen.de/
http://www.ich-habs-papiert.de/
http://www.jetztumstellen.de/
http://www.papiernetz.de/

pixelio.de/Fotograf tommyS © Siepmann-gbr.de









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Kommentare *

Saro 1

This is a cool understand .. I problemed it

Saro 2

This is another problem I just understoond.

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