Verstehen : Was steckt in unseren Waschmitteln?

Was steckt in unseren Waschmitteln?

Sauber waschen für Mensch und Umwelt?

Erklärung

Unsere Meinung

Befasst man sich mit den Inhaltsstoffen von Waschmitteln, grenzt es für den Laien fast an ein Wunder, dass nicht schon jede deutsche Hausfrau mindestens einmal in Sicherheitsverwahrung genommen wurde wegen Besitzes potentieller chemischer Waffen: Da ist die Rede von petrochemischen Tensiden, Ethylendiamintetraessigsäure, langkettigen Polycarbonsäuren, Polycarboxylate und ähnlich Unaussprechbarem. Manche Geheimnisse entschließen sich hier nur dem Chemiker. Schon lange kein Geheimnis ist die Tatsache, dass der übermäßige Gebrauch von Waschmittel und Weichspülern nicht gerade umweltfreundlich ist Wir können nicht erwarten, dass sich dazu irgendwo in einem fernen Land Politiker auf dem Wäscheberg zu einem Waschmittelgipfel treffen. Da sind wir als Verbraucher gefragt, bewusst und verantwortlich zu handeln.

Wer hat schon nicht gern das Gefühl von Sauberkeit und einen Frühlingsduft in der Nase? Etwa 55.000 Wasch- und Reinigungsmittel auf dem deutschen Markt bedienen diesen Wunsch. Dabei sind nicht alle Inhaltsstoffe unbedenklich und immer mehr Menschen stellt sich die Frage nach ökologischen Alternativen.

 

Frische Wäsche ist was Herrliches. Zum Vorstellungsgespräch zieht man ein sauberes Hemd an und beim ersten Date bügelt man vorher noch mal das T-Shirt. Wir wollen damit nicht nur einen guten Eindruck vermitteln, sondern uns auch gut fühlen.

Leider hat das gute Gefühl einen Preis. Beim Wäschewaschen müssen wir uns der Tatsache stellen, dass jeder Waschgang eine Umweltbelastung darstellt, allein schon wegen des hohen Energieaufwandes. Es geht hier vielmehr um Schadensbegrenzung. Dazu sollte man allerdings die Schadensverursacher kennen. Darf ich vorstellen: synthetische Tenside, Phosphate, Füllstoffe, optische Aufheller und Duftstoffe.
 

Der Waschvorgang: Was passiert eigentlich in der Waschmaschine?

Steigen wir doch mal in die geheimnisvolle Welt der Waschtrommel ein, um uns anzuschauen, was beim Waschvorgang grundsätzlich passiert: Da liegen sie, Baumwoll- und Synthetikfasern, benutzt und zerknittert. Einige hatten Glück. Sie wurden nicht lang getragen und haben höchstens Salz, Zucker oder Honig abgekriegt. Manche hat es da schon übler erwischt: Schweiß, Fett und Eiweiße haften hartnäckig an ihnen.

Da setzt sich die Trommel in Bewegung. Wasser strömt ein. Mit Salzen und Zucker wird es noch allein fertig. Doch bei allen anderen Fleckenfieslingen braucht es Hilfe. Und da kommen sie schon, die aus Erdöl gefertigten Tenside, die schon ungeduldig in der Waschmittelkammer auf ihren Einsatz gewartet haben. Emsig schieben sie Fett- und Eiweißflecken zu kleinen Kügelchen zusammen. Diese geben schließlich auf und lassen die Faser los. Das Wasser kann sie nun abtransportieren.

Aber es ist noch nicht vorbei. Kalk versucht das Zusammenspiel von Wasser und Tensiden zu verhindern. Die Rausschmeißer werden tätig. Es sind Enthärtungsmittel, in der Szene Phosphate genannt. Das Problem kann schnell behoben werden. Immerhin machen die Phosphate fast die Hälfte der Truppe aus. Am Ende legen sich noch Farbschutzmittel, Gleitmittel und die Vettern der Tenside, die kationischen Tenside aus dem Weichspüler, schützend über die Fasern, um sie für einen neuen Einsatz außerhalb der Trommel vorzubereiten.


Das Schicksal der synthetischen Tenside

Bleiben wir noch eine Weile bei den Tensiden aus der Waschmaschine: Manche haben es sich erschöpft von der „Drecksarbeit“ auf der Faser bequem gemacht. Sie dämmern vor sich hin, bis das Kleidungsstück, auf dem sie sitzen, menschliche Haut berührt. Hier werden sie wieder wach, denn ihre Instinkte sagen ihnen, Fett lösen zu müssen, nur eben diesmal aus unserer Haut, so dass unser Schutzmantel angegriffen wird und Allergene und andere schädliche Stoffe besser eindringen und Ausschläge auslösen können.

Der Großteil der Tenside gelangt über die Kanalisation in die Kläranlage. Hier werden Ihnen Ihre Rechte und Pflichten verlesen: „Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Ihr Euch zu 90 Prozent biologisch selbst abbauen sollt! Den Rest übernehmen wir!“ Einige der Tenside schaffen es, sich im Klärschlamm zu verstecken, wo sie vor Spaltung geschützt sind. Mit dem Schlamm als Dünger gelangen sie auf ein Feld und lassen sich so tief wie möglich in den Boden hineinfallen. Hier, in der „Unterwelt“, rütteln sie lang vergessene Pestizide wach und mobilisieren sie, sich mit ihnen zu verbinden und mit ihnen die Freiheit über das Grundwasser zu suchen.1Anker

15 Prozent der Tenside haben es geschafft, in der Kanalisation zu verharren und mit dem nächsten starken Regen direkt in ein Gewässer gespült zu werden. Der Vertrag der 90 prozentigen Primärabbaubarkeit gilt auch für sie. Doch in der Freiheit vorm Totalabbau geschützt, verbinden sie sich mit dem Sauerstoff zur Säure und behalten ihre chemischen Eigenschaften, Membranen zu schädigen. Fischen verschlägt es so schonmal den Atem.
 

Phosphate – Erfolge und Niederlagen

So wie es für uns Menschen schädlich ist, zu viel zu essen, ist es für Gewässer ebenso ungünstig, zu viele Nährstoffe aufzunehmen: Wir werden dick, Gewässer verlanden. In beiden Fällen liegt ein Überschuss an organischem Material vor. Was für uns dabei die Kohlenhydrate sind, stellen für einen See die Phosphate dar. Bei uns vermehren sich die Fettzellen, im See die Algen, die letztendlich zu einem Sauerstoffmangel führen, bis das Gewässer kippt – in der Fachsprache Eutrophierung genannt.

1980 gab es gleich zwei Erfolge für Deutschland zu verzeichnen: Wir wurden Fußball-Europameister und es kam zur Phosphathöchstmengenverordnung. Zusätzlich führten freiwillige Maßnahmen der Waschmittelindustrie dazu, dass praktisch keine Phosphate mehr in Haushaltswaschmitteln eingesetzt wurden. Doch 1994 dann das Eigentor: Um Geschirrspülmittel effektiver zu machen, kamen die Phosphate zurück. So sollte man auch hier unbedingt auf phosphatfreie Produkte achten.
 

Füllstoffe und optische Aufheller – die Blender in Waschmitteln

Sogenannte Füllstoffe sorgen beim Waschpulver dafür, dass es rieselt und gut dosierbar ist. Hier werden beispielsweise das Schleimhaut reizende Natriumcarbonat oder Natriumsulfat verwendet – dem ein oder anderen Darmspiegelungspatienten als Glaubersalz bekannt. Auch die Umwelt kann es nur schwer schlucken: Es ist nicht abbaubar und führt zur Versalzung von Gewässern.

Die optischen Aufheller sind die wahren Blender unter den Inhaltsstoffen. Sie lehnen sich lässig an die Fasern an, schauen den waschaktiven Substanzen bei der Arbeit zu und täuschen mittels eines optischen Tricks, mit dem sie die Wäsche weißer erscheinen lassen, vor, dass auch sie was geleistet hätten. Sie sehen es auch nicht ein, biologisch abbaubar zu sein.
 

Antibakteriell wirkende Reinigungsmittel machen antibiotikaresistent

Nach Ansicht der Experten sind antibakterielle Reiniger in privaten Haushalten nicht erforderlich. Solange Du nicht in einem pathologischen Institut wohnst oder außerirdische Lebensformen mit unbekannten Krankheitserregern beherbergst, reichen herkömmliche Reiniger völlig aus. Antibakteriell Mittel können zu einer Resistenz gegenüber Antibiotika führen, was man spätestens bei der nächsten Nierenbeckenentzündung bereuen würde. In Kläranlagen verringern sie die Reinigungsleistung. So gelangen mehr Schadstoffe wieder in die freie Natur.2Anker
 

Duftstoffe in Waschmitteln führen zu Allergien

Duftstoffe führen uns an der Nase herum, denn wo man Sauberkeit riecht, ist nicht unbedingt Sauberkeit drin. Bei einer halben Million Duftstoffallergikern in Deutschland und immer mehr MCS-Patienten, einer Krankheit, bei der man auf jegliche chemischen Substanzen reagiert, sollte man eher unnötige Chemikalien im Alltag meiden.

Eine Liste der als besonders allergenen Duftstoffe findest Du in der Kurzinformation auf:
www.umweltbundesamt.de/chemikalien/waschmittel/informationen.htm

Es gibt sie doch, die ökologisch sinnvollen Alternativen: vom genau dosierbaren Baukastenwaschmittel bis hin zum Bio-Waschmittel auf Pflanzenbasis mit Zuckertensiden ist bestimmt auch was für Dich dabei. Schau doch einfach mal in unseren Tipp.


Martina Liel

Dez. 2010


1Anker     Siehe auch: Beate Koch: Waschmittel als Schmutzfinken; Frauenhofer-Gesellschaft; 07.01.1997; http://idw-online.de/de/news4110; (Stand: 22.09.10)
2Anker     Siehe auch: Antibakteriell wirkende Reinigungsmittel; Umweltbundesamt; http://www.umweltbundesamt.de/chemikalien/waschmittel/informationen.htm#Antibakteriell; (Stand: 10.08.10)

Bildnachweis: © Paul-Georg Meister / Pixelio.de

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Kommentare *

Saro 1

This is a cool understand .. I problemed it

Saro 2

This is another problem I just understoond.

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